Tourenbericht: Sengsengebirge

Zur Tour

Ich sitze mal wieder müde im Zug, wärme mir die Hände an meinem Kaffee im Pappbecher und versuche nicht daran zu denken, dass ich am nächsten Morgen auf das Wundergetränk verzichten muss. Ich schließe die Augen und vergrabe mich in meinen Sessel um noch etwas Kraft für die nächsten beiden Tage zu tanken.

Der Höhenweg durch das in den oberösterreichischen Kalkalpen gelegene Sengsengebirge führt von Windischgarsten bis nach Klaus. Man überschreitet den Hohen Nock, den Rohrauer Größtenberg, den Gamskogel, den Hochsengs und schlussendlich das Schillereck. Insgesamt legt man 2700Hm im Aufstieg und 2800Hm im Abstieg zurück, das Ganze auf einer Länge von 30km. Nächtigen kann man im Uwe-Anderle Biwak, das sich ungefähr auf der Mitte des Weges befindet.

Durch die vielen Auf und Ab’s die man hier überwindet, sollte man gute Kondition, bequeme Wanderschuhe und einen leichten Rucksack mitbringen. Zumindest eines davon ist für Landschaftsfotografen aber eher problematisch. Der Weg gestaltet sich als sehr abwechslungsreich, das Spektrum erstreckt sich von leichtem dahinwandern bis zu teilversicherten Passagen. Was jedoch allgegenwärtig ist, ist der atemberaubende Blick auf die umliegende Berglandschaft und nebelverhangenen Täler.

Da ich die Tour Ende Oktober gegangen bin, lag ab ca 1700Hm bis zu einem halben Meter Neuschnee. Ich hatte Daunenjacke und Thermounterwäsche schon vorsorglich eingepackt, hätte aber lieber Schneeschuhe und Garmaschen mitgenommen. Nächstes Mal! Über eine warme Haube und eine windfeste Jacke war ich dann aber doch sehr froh.

 

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Rast mit Ausblick (Nikon D5500, ISO 100, F8, 1/640s)

 

Das Licht meiner Stirnlampe beleuchtet meine nächsten Schritte, während ich nass und müde den Berghang mehr rutschend als gehend bewältige. Den Sonnenuntergang habe ich in einem Tal „verpasst“ und konnte kein Bild mit nach Hause nehmen. Muss wohl der Sonnenaufgang gut werden. Noch ein paar letzte Meter und ich sehe endlich die schwachen Lichter des Uwe-Anderle Biwaks.

Das Uwe-Anderle Biwak ist eine (sehr kleine) Selbstversorgerhütte. Es gibt Gaskocher und Kochgeschirr, sowie ein Matratzenlager für ungefähr 10 Personen. Da auch genug Decken vorrätig sind, genügt es einen Hüttenschlafsack dabei zu haben.

 

Zeit ist Zielbild

5:30, meine biologische Uhr streikt, es ist nicht meine Zeit. Trotzdem läutet der Wecker, es ist Zeit aufzustehen, Tee zu kochen und einen Berg zu erklimmen.

7:00, fast da. Es dämmert schon lange, der Himmel hat sich bereits verfärbt. Eigentlich bin ich schon zu spät, nächstes Mal also nochmals früher aufstehen. Trotzdem, versuchen muss ich es. Ich lege die letzten Höhenmeter also eher laufend als gehend zurück und erreiche endlich den Gipfel des Hochsengs: Perfektes Fotografen-Wetter! Es ist wolkig, doch die Sonne schaut hie und da hervor. Spätestens jetzt weiß ich, es hat sich ausgezahlt.

 

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Tourenbild: Sonnenaufgang über dem Hohen Nock (Nikon D5500, ISO 100, F11, 1/100s)

 

Für die Tour hatte ich die Nikon D5500 mit dem Samyang 16mm F2.0 und ein kleines Stativ dabei. Ich habe kurz überlegt ein Tele mitzunehmen, mich dagegen entschieden und es anschließend im Minutentakt bereut. Die umliegende Berglandschaft bot teilweise fantastische Szenen. Die Kombination aus Herbstwald, verschneiten Gipfeln und einem zartrosa Sonnenuntergang hatte alles, was man sich als Landschaftsliebhaber wünscht. Ich bin überzeugt hier ein paar meiner besten Fotos verpasst zu haben. Wieder was gelernt und nie wieder ohne Zweitobjektiv oder Kompaktkamera aus dem Haus gegangen.

Ein wichtiger Faktor für die Entstehung des Tourenbilds war Zeit. Ich bin kurz nach Sonnenaufgang am Gipfel angekommen (also für einen Fotografen viel zu spät), außerdem war es stark bewölkt und ich hatte nur ein kurzes Fenster in dem die Sonne zu sehen war. Ich suchte mir also eine Stelle an der das Sonnenlicht die Muster im Schnee betonen würde und wählte den Bildausschnitt so, dass der Gebirgskamm als führende Linie zum Hohen Nock und dem Sonnenaufgang überleitet. Leider konnte ich in der Eile das Stativ nicht verwenden, habe also auch keine Belichtungsreihen erstellen können. Als Folge davon war der Gebirgskamm im Foto zu dunkel und der Wolkenhimmel um die Sonne leicht ausgebrannt. Jedoch lassen sich solche Dinge in der Nachbearbeitung leicht beheben.

Wichtig ist, wenn man in die Sonne fotografiert, auszuprobieren bei welcher Blende ein Objektiv die besten Sonnensterne liefert und wie das Objektiv mit Flare umgehen kann. Beim Samyang empfinde ich Blende 11 als optimal dafür. Leider ist es aber auch recht Flare anfällig, gerade wenn die Sonne in einem Winkel aufs Objektiv trifft (so wie in dem Foto oben), deshalb musste ich hier am Computer wieder nachbessern.

 

Mir wurde wiedermal bewusst, dass Zeit in der Landschaftsfotografie alles ist. Es geht nicht nur darum zu planen, wann wo die Sonne auf- oder untergehen wird, es kommt auch ganz wesentlich darauf an ob man selbst zu dieser Zeit an einem guten Ort steht! Auch kann es oft sehr hektisch werden, gerade in den Übergangsphasen, in denen sich das Licht minütlich ändert, werden keine zwei Bilder gleich aussehen.

Je früher man also ankommt und je besser man plant, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit in genau der richtigen Minuten am genau richtigen Ort den Auslöser zu drücken. Und das ist doch der Reiz in der Landschaftsfotografie.

 


18 Gedanken zu “Tourenbericht: Sengsengebirge

  1. Hallo Leander,

    Super schönes Landschaftsfoto!
    Ja, man muss am richtigen Ort/Zeit sein um besonderes Licht und Stimmungen einzufangen und wenn sie wenig bearbeitet sind, finde ich es noch besser.

    Viel Erfolg mit deinem Blog. 🙂

    LG
    Astrid

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  2. Sehr schöner Bildausschnitt und prima Schärfentiefe. Hab schon andere Fotos mit dem Samyang 16mm gesehen. Aber deines ist echt klasse geworden. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort würde ich sagen. Nachhelfen in der Postproduction ist ja erlaubt und auch erwünscht. Viel Erfolg mit deinem Blog. Werde immer mal wieder reinschauen…

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