Arbeiten mit dem Histogramm

Das Histogramm ist gerade in der Landschaftsfotografie ein nützliches Werkzeug um vor Ort beurteilen zu können ob ein Foto korrekt belichtet ist (was „korrekt belichtet“ heißt werde ich in einem späteren Artikel behandeln). Oft kann es passieren, dass das Bild von dem man am kleinen Kameradisplay überzeugt war, es sei richtig belichtet, am PC ganz anders aussieht. Nichts ist ärgerlicher als ein gutes Bild aussortieren zu müssen, weil die Wolken ausgebrannt sind oder der Wald so dunkel ist, dass man ihn nicht mehr aufhellen kann. Hier sollte man auf das Histogramm zurückgreifen um gleich in der Kamera beurteilen zu können ob die Belichtung stimmt.

 

Wie liest man das Histogramm?

Bei den meisten Kameras lässt sich das Histogramm einfach einblenden. Bei Nikon Kameras kann man auch auf einzelne Bereiche zoomen und sich das Histogramm nur für den jeweiligen Bildausschnitt anzeigen lassen.

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Foto mit zugehörigem Histogramm

Im Bild oben ist das zugehörige Histogramm eingeblendet, doch wie kann man daraus die Belichtung eines Fotos ablesen? Für die Belichtung kann man zunächst die farbigen Kurven ignorieren, wichtig ist hier nur die graue Kurve, diese steht für die Helligkeitsverteilung im Bild.

Dabei ist auf der x-Achse die Helligkeit aufgetragen und auf der y-Achse die Häufigkeit mit der ein Pixel diese Helligkeit hat. Die Helligkeit verläuft von reinem Schwarz (links) bis hin zu reinem Weiß (rechts). Je weiter links die der Großteil der Pixel liegt desto dunkler ist auch das zugehörige Bild und je weiter rechts sie liegt desto heller.

Da dieses Foto kurz nach einem Sturm entstanden ist, hat es einen eher düsteren Charakter. Dieser lässt sich auch aus dem Histogramm herauslesen, da im linken Teil des Histogramms die Kurve stark ausschlägt. Dies steht für die vielen dunklen Bereiche, die es im Bild gibt. Auch gibt es nur wenig helle Stellen im Bild, wie die Wolken und den Himmel, deshalb ist der rechte Teil der Kurve sehr flach.

 

Neben der allgemeinen Helligkeitsverteilung sind bei vielen Kameras auch die RGB-Verteilung oder wie in Lightroom noch mehrere Farben angegeben. Diese lesen sich gleich, mit dem Unterschied, dass es eben nur für es sich eben nur auf die jeweiligen Farben bezieht.

 

Wie verwendet man das Histogramm?

Das Histogramm kann man in der Praxis dazu verwenden um zu beurteilen ob ein Bild richtig belichtet ist. Außerdem kann man erkennen ob es Stellen gibt die ausgebrannt (stark überbelichtet) oder komplett schwarz sind (stark unterbelichtet), sowie ob das Bild ausreichend kontrastreich ist.

 

Beurteilung der Belichtung

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„Korrekt“ belichtetes Foto

Dieses Bild wäre ein Musterbeispiel für ein korrekt belichtetes Bild. Die Kennzeichen dafür sind, dass das Histogramm von links nach rechts vollständig ausgefüllt ist und die meisten Pixel eine mittlere Helligkeit haben, die Kurve in der Mitte des Histogramms also eine Erhöhung hat. Man erkennt also auf einen Blick, dass man richtig belichtet hat.

 

Man muss sich jedoch auch bewusst sein, dass „korrekt“ belichtet nicht immer „gut“ belichtet ist. Gerade Landschaftsbilder leben von Stimmung und man kann eine bewusste Stimmung erzeugen indem man das Bild absichtlich unter- oder überbelichtet.

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Technisch unterbelichtetes Foto mit starker Wirkung

Dieses Bild ist nach dem Histogramm zu urteilen stark unterbelichtet und hat tatsächlich auch viele dunkle Bereiche. Aber trotzdem oder gerade deswegen gefällt es mir, weil dadurch der schöne Sonnenaufgang nochmals hervorgehoben wird.

 

Beurteilung von Über- und Unterbelichtung

Der vielleicht wichtigste Aspekt beim Histogramm ist es zu beurteilen ob es Stellen im Foto gibt die stark überbelichtet (reines Weiß) sind oder stark unterbelichtet (reines Schwarz). Solche Stellen sollte man unbedingt vermeiden, da hier (besonders bei überbelichteten Stellen) Bildinformation verloren geht, die auch in der Nachbearbeitung nicht mehr hergestellt werden kann.

Das rechte Bild zeigt ein stark überbelichtetes Foto, auch wenn das das Histogramm auf den ersten Blick nicht vermuten lässt. Wichtig ist hier nämlich auch auf die Randbereiche des Histogramms zu achten. Beim Histogramm dieses Fotos ist am rechten Rand eine deutliche Erhöhung zu sehen, das heißt, dass es Stellen im Bild gibt die rein weiß sind, das Bild ist an diesen Stellen ausgebrannt. Im Bild repräsentiert das den großen weißen Fleck in der Mitte. Diese Stellen lassen sich auch nicht in der Nachbearbeitung retten.

Das linke Bild zeigt ein stark unterbelichtetes Bild, wieder erkennbar daran dass es am linken Rand einen starken Ausschlag gibt. Unterbelichtete Stellen lassen sich am Computer eher beheben als überbelichtete, aber auch das hat natürlich Grenzen.

 

Beurteilung des Kontrasts

Auch der Kontrast eines Fotos lässt sich aus dem Histogramm ablesen. Ein Bild wird als umso kontrastreicher empfunden, je mehr weiße und schwarze Inhalte repräsentiert sind und je größer die Schere zwischen hell und dunkel ist. Erstreckt sich das Histogramm also über die volle Länge und gibt es keine ausgesetzten Stellen kann man davon ausgehen ausreichend Kontrast im Bild zu haben.

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Kontrastarmes Bild

In diesem Bild sind keine weißen und oder sehr hellen Stellen vorhanden, da das Histogramm auf der rechten Seite keine Informationen zeigt. Infolgedessen erhält man ein sehr weiches, kontrastarmes Foto (was gut oder schlecht sein kann).

 

 

Das Histogramm ist also wichtig um Belichtung und Kontrast überprüfen zu können und gegeben falls verlorene Bildinformationen festzustellen. Dabei gilt aber, wie bei allem in der Fotografie, dass es sich hier um Richtlinien handelt, die man nicht immer befolgen muss. Oft möchte man einen bestimmten Look erzielen, der ein „falsches“ Histogramm liefert, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Das Histogramm sollte eine Hilfestellung und keine Vorschrift sein.


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