Tourenbericht: Großer Priel

Zur Tour

18kg! 18kg habe ich auf dem Rücken während ich mich keuchend an das kalte Stahlseil vor mir klammere. Ich befinde mich auf 2300Hm, bin bereits den ganzen Tag unterwegs und endlich auf der Zielgeraden. Die letzten Höhenmeter gilt es noch zu bewältigen, meine Kraft und Konzentration lassen allerdings nach. Ein missglückter Schritt und das Gewicht meines Rucksacks zieht mich nach hinten. Im letzten Moment schaffe ich es noch mich an einer Felskante festzuhalten, ich schaue in 50m Tiefe. Das war knapp.

Der Aufstieg auf den Großen Priel (2476Hm) ist eine anstrengende ein- bis zweitägige Wanderung, die allerdings mit einem fantastischen Rundumblick auf das tote Gebirge belohnt. Man startet in der Ortschaft Hinterstoder von der aus man auf einer Strecke von gut 20km den Aufstieg auf den Großen Priel macht. Auf 1420Hm steht das Priel Schutzhaus, das einem Nächtigungs- und Stärkungsmöglichkeiten bietet. Ich habe mich jedoch für etwas anderes entschieden.

Der Aufstieg bis zur Hütte gestaltet sich überwiegend angenehm. Man folgt einem nicht zu steilen Weg durch den Wald, teilweise unter der Materialseilbahn dahin, bis man  das Schutzhaus erkennen kann. Von der Terrasse hat man übrigens einen fantastischen Ausblick auf die eindrucksvolle Spitzmauer, die ohne Zweifel der imposanteste Berg im näheren Umkreis ist.

Nach der Hütte beginnt der anstrengende Teil. Steile Aufstiege über Schotterfelder, sowie kleinere Kletterpartien zehren an Ausdauer und Kraft, jeder Höhenmeter muss hart erkämpft werden. Sobald man sich allerdings auf den letzten 200Hm befindet überquert man ein breites Geröllfeld und hat in alle Richtungen einen herrlichen Ausblick auf die schroffen Berge des tote Gebirges.

Eine Besonderheit des Großen Priels ist, dass man bereits vom Tal aus das Gipfelkreuz sieht und das Ziel so fast durchgehend vor Augen hat. Oben angekommen ist es dann aber deutlich größer, als man von unten vermuten möchte.

DSC_0134-Bearbeitet.jpg
Gipfelkreuz kurz vor Sonnenaufgang (Nikon D5500, ISO100, F8, 0.4s)

 

Es ist 03:00, ich weiß dass der Wecker in weniger als 3 Stunden läutet und habe bis jetzt vielleicht 20 Minuten geschlafen. Trotzdem liege ich hellwach in meinem Zelt und hoffe darauf endlich etwas Ruhe zu bekommen. Der Wind hat in den letzten zwei Stunden stark zugenommen und das Knattern der Zeltplane hält mich wach. Langsam bekomme ich auch Angst um mein Zelt. Ich klettere aus dem Schlafsack und suche in meinem Rucksack nach der Kamera: Wenn schon wach, dann aber wenigstens tolle Fotos machen.

Meinen 18kg Rucksack habe ich dem Umstand zu verschulden, dass ich mir vorgenommen habe nicht im Schutzhaus zu schlafen, sondern am Großen Priel zu campieren. Deshalb hatte ich Schlafsack, Isomatte und Zelt dabei. Eine Übernachtung am Berg ist ein einmaliges Erlebnis, das jedoch gut vorbereitet werden muss. In dieser Höhe ist man Wetterumschwüngen und niedrigen Temperaturen schonungslos ausgesetzt, eine gute Ausrüstung und das studieren des Bergwetters ist deshalb Pflicht. Auch die Gesetzeslage bezüglich des Wildcampes ist in Österreich problematisch, denn allgemein ist es verboten und wird mit hohen Strafen geahndet. Jedoch ist es in manchen Bundesländern (so wie in Oberösterreich) gestattet oberhalb der Baumgrenze ein Lager aufzuschlagen. Hat man all diese Punkte aber berücksichtigt, kann man sich auf eine unvergessliche Nacht einstellen.

dsc_0084-bearbeitet
Lagerplatz mit Ausblick auf das tote Gebirge (Nikon D5500, ISO100, F8, 1/160s)

Ich hatte jedoch zwei Probleme während meiner Tour. Zum einen bestand das Geröllfeld unterhalb des Gipfels zum Großteil aus Geröll (wer hätte das gedacht). Mein Zelt ist ein sehr kleines, leichtes Ein-Personen Zelt, das sich schon oft bewährt hat, jedoch einen großen Nachteil hat: Es kann nicht von alleine stehen und muss mit Heringen fixiert werden. Zwischen den vielen Steinen eine bewachsene Stelle zu finden um das Zelt im Boden zu verankern war also gar nicht so einfach.

Andererseits war es sehr windig. Ich habe zwar darauf geachtet mir eine windgeschützte Stelle zu suchen, jedoch hat der Wind in der Nacht gedreht und mich damit um meinen Schlaf gebracht. Teilweise hatte ich wirklich Angst gleich mitsamt des Zelts davon geblasen zu werden. Da bin ich echt zufrieden mit dem Zelt, das sich auch gegen die heftigsten Windstöße behauten konnte.

 

 

Plane deine Fotos!

Ich sitze bereits seit einigen Minuten hier, meine Kamera vor mir aufgebaut, der Himmel klar, alles was noch fehlt ist die Sonne. Ich sitze knapp unter dem Gipfel des Großen Priels und schaue auf die Spitzmauer, dahinter das tote Gebirge. Von der durchwachten Nacht spüre ich nichts mehr, alles was ich fühle ist Vorfreude. Die Sonne steigt über den Horizont und beleuchtet die Flanke des Berges. Klick! Ich habe mein Zielfoto.

Ich hatte wieder die Nikon D5500 mit dem Samyang 16mm F2.0 sowie mein Reisestativ im Gepäck. Das Samyang ist für mich einfach DAS Landschaftsobjektiv. Sehr scharf, relativ klein und mit einer großen Offenblende biete es einem einfach alles was man braucht und das bei einem guten Preis (Review folgt).

Bevor ich eine Tour plane suche ich im Internet immer nach den fotografischen Möglichkeiten, die sich einem dabei ergeben. Für diese Tour wollte ich anschließend zwei Fotos mit nach Hause nehmen: Ein Milchstraßenfoto und ein Bild der markanten Spitzmauer

milchstrase-uber-nachtlager
Milchstraße über Nachtlager (Nikon D5500, ISO1600, F2.0, 30s)

Für ein gelungenes Milchstraßenfoto hat man eigentlich nur zwei Voraussetzungen. Es muss zum einen dunkel sein und zwar richtig dunkel, fernab von Städten und Lichtverschmutzung. Zum anderen muss der Himmel natürlich klar sein. Das Zelt habe ich dann einfach mit meiner Stirnlampe angeleuchtet um einen spannenden Vordergrund zu haben.

 

Wesentlich mehr steckt jedoch hinter dem Tourenbild, dieses habe ich nämlich schon am Tag davor gemacht, zumindest im Kopf. Jedem, der nur genug Fotos macht passiert es ab und zu, dass ein gutes dabei ist. Die Kunst des Fotografieren ist es jedoch diese auch absichtlich produzieren zu können. Das Schlüsselwort dabei heißt Planung!

erste-sonnenstrahlen-auf-der-spitzmauer
Tourenbild: Erste Sonnenstrahlen auf der Spitzmauer (Nikon D5500, ISO 100, F8, 1/40s)

Natürlich ist es nicht einfach ein Foto von daheim zu planen, aber man kann sich zumindest einige vorab-Infos besorgen. Bei der Planung des Tourenbildes habe ich mir bereits am Abend den ungefähren Bildausschnitt überlegt und mir über die gewünschte Wirkung Gedanken gemacht. Außerdem habe ich mir rausgesucht wo und wann die Sonne aufgehen wird, konnte also beurteilen welche Bereiche des Gebirges beleuchtet sein werden.

In der Früh musste ich schließlich nur noch den Grat entlang gehen, bis ich mit der Position zufrieden war, und meine Kamera aufstellen. Der Fels auf dem ich stehe bildet einen natürlichen Rahmen, der Grat des Großen Priels eine natürliche Leitlinie, die den Blick direkt auf die Spitzmauer führt. Im Hintergund sieht man die Ausläufe des toten Gebirges. Sobald die Sonne schließlich aufgegangen war und die eine Seite des Bergs beleuchtet hatte, musste ich nur den Auslöser drücken und hatte mein Zielfoto.

 

Dadurch, dass ich mir über die Entstehung dieses Fotos so viel Gedanken gemacht habe, ist ein Bild mit einer sehr starken Wirkung entstanden und es ist bis heute mein absolutes Lieblingsfoto. Je bewusster man ein Bild entstehen lässt, desto eher kommt man weg vom schnellen Knipsen und hin zum Fotografieren.


17 Gedanken zu “Tourenbericht: Großer Priel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s