Die Verschlusszeit

Dieser Beitrag besteht aus drei Teilen und soll dir dabei helfen deine Kamera manuell bedienen zu können und generell mehr über die Funktionsweise und Wirkung der einzelnen Faktoren zu erfahren. Den Artikel über die Blende findest du hier und den Artikel über den ISO-Wert hier (folgt).

 

Funktionsweise

Der Verschluss ist ein mechanisches Bauteil vor dem Bildsensor der Kamera, der darüber bestimmt wie lange Licht auf den eingebauten Chip fallen kann, also wie lange das Foto belichtet wird. Die Verschlusszeit (oder Belichtungszeit) gibt somit an wie lange der Verschluss geöffnet ist und wie viel Licht in die Kamera kommt. Je länger der Verschluss offen ist, desto mehr Licht kann auch auf den Chip fallen und desto heller wird das Foto. Zusammen mit der Blende ist die Verschlusszeit der entscheidende Faktor dabei wie viel Licht auf den Sensor trifft.

Bei den meisten Kameras lassen sich Verschlusszeiten von 30s bis zu 1/2000s einstellen, einige Kameras haben auch oft noch kürzere oder längere Belichtungszeiten. Außerdem gibt es noch den sogenannten Bulb-Modus, bei dem der Verschluss so lange geöffnet bleibt, wie du den Auslöser gedrückt hältst.

 

Wann verwendet man welche Verschlusszeit?

Um zu entscheiden welche Verschlusszeit man am besten einstellt, muss man sich vorerst zwei Fragen stellen: „Wie stark bewegt sich mein Motiv?“ und „Wie stark bewege ich mich selbst?“ Dazu kommen dann noch die jeweiligen Ausnahmen für eine spezielle Bildwirkung.

Da der Bildsensor alles Licht aufnimmt, solange der Verschluss geöffnet ist, werden auch alle Veränderungen in dieser Zeit auf den Chip gebannt. Wenn sich dein Motiv bewegt solange der Verschluss offen ist, wird diese Bewegung (verwischt) dargestellt. Wenn du zum Beispiel einen Fußgänger mit einer Verschlusszeit von 1/10s fotografieren willst, der mit schneller Schrittgeschwindigkeit an dir vorbeigeht, wird dieser nur als verwischter Umriss auf dem Foto zu sehen sein. Damit du eine Bewegung einfrieren kannst und ein scharfes Foto bekommst, musst du die Verschlusszeit also so wählen, dass sich, während der Verschluss offen ist am Motiv nicht viel ändert.

Die Wahl der Belichtungszeit hängt also in erster Linie von deinem Motiv ab. Willst du etwas fotografieren, dass sich schnell bewegt, wie einen Sportler oder einen Hund solltest du eine möglichst kurze Verschlusszeit nehmen, wie 1/500s, um sicherzustellen, dass dein Motiv scharf dargestellt wird. In der Landschaftsfotografie hat man üblicherweise wenig Bewegung im Motiv (Berge laufen z.B. nicht weg), also kann man hier auch gut und gerne längere Verschlusszeiten nehmen, die sich sogar auf mehrere Sekunden oder Minuten erstrecken. Sobald es aber windig ist und sich die Bäume stark bewegen oder wenn man Wasser fotografiert, muss man aufpassen.

dsc_0448
Um den Sportler in seinem spektakulären Sprung festzuhalten wurde eine kurze Verschlusszeit von 1/1250s verwendet (Nikon D5500, F5.6, ISO 100, 1/1250s)

Nicht nur das Motiv bewegt sich, sondern man selbst bewegt sich natürlich auch und damit die Kamera, die man in Händen hält. Deshalb muss man aufpassen, dass es nicht zu Verwacklungsunschärfe kommt, also das Bild unscharf ist, weil man die Kamera leicht bewegt solange der Verschluss offen ist.

Wie kurz die Verschlusszeit sein muss um keine Verwicklungen ins Bild zu bekommen hängt stark von der verwendeten Brennweite ab. Je länger die Brennweite, desto kleiner ist auch der Bildausschnitt und desto stärker fallen kleine Verwicklungen auch auf. Bei kurzen Brennweiten kann man hier etwas großzügiger sein.

Es gibt eine berühmte Faustregel nach der die Verschlusszeit mindestens so groß sein sollte wie die verwendete Brennweite. Um aber auf der sicheren Seite zu sein nimmt man besser die doppelte Verschlusszeit. Wenn ich also mit einem 200mm Tele-Objektiv fotografiere, sollte ich mindestens eine Verschlusszeit von 1/200s nehmen, besser 1/400s. Wenn ich hingegen mit einem 18mm Weitwinkel-Objektiv fotografiere reicht schon eine Verschlusszeit von 1/20s oder besser 1/40s.

Es kommt natürlich oft vor, dass man ein Foto länger belichten muss oder will, dann sollte man die Kamera auf ein stabiles Stativ stellen um keine Verwacklungsunschärfen im Bild zu haben. Generell empfiehlt es sich immer auf einem Stativ zu arbeiten wenn möglich, da man so wirklich jede Bewegung, die vom Fotografen ausgeht vermeiden kann.

Milchstraße über der Ybbstalerhütte.jpg
In schwierigen Lichtverhältnissen, wo nicht viel Licht in die Kamera fallen kann, wie z.B. in der Nacht, muss man den Verschluss länger offen lassen um ein gutes Foto zu bekommen. Man braucht also eine lange Belichtungszeit und muss auf einem Stativ arbeiten (Nikon D5500, F2.0, IO3200, 25s)

Schlussendlich spielt die Belichtungszeit natürlich eine große Rolle bei der korrekten Belichtung eines Fotos. Wenn deine Fotos sehr hell sind, sind sie überbelichtet, es ist also zu viel Licht in die Kamera gekommen und du brauchst eine kürzere Verschlusszeit. Und genauso umgekehrt, wenn deine Fotos sehr dunkel sind, sind sie unterbelichtet und es ist zu wenig Licht auf den Sensor gekommen, du brauchst also eine längere Belichtungszeit.

 

 

Brich die Regeln!

Natürlich kann man mit der Verschlusszeit auch ganz entscheidend die Bildwirkung beeinflussen. Normalerweise versucht man ein möglichst scharfes Bild zu bekommen und in dem jede Bewegung eingefroren ist.

Bei manchen Motiven will man aber bewusst zeigen, dass sie sich bewegen! So sieht man in der Landschaftsfotografie zum Beispiel oft, dass Wasser oder Wolken mehrere Sekunden belichtet werden, damit ihre Bewegung verschwimmt. Als Resultat erscheint Wasser ganz glatt und weich und Wolken werden zu abstrakten Mustern im Himmel. Für solche Langzeitbelichtungen muss die Kamera natürlich auf einem Stativ stehen.

nebelverhangenes-meer
Um diese mystische Bildstimmung zu erzeugen, wurde hier ganze 60s lang belichtet. Durch den Wellengang und die viele Bewegung verschwimmt das Wasser und bekommt einen glatten, nebligen Charakter (Nikon D5500, F8.0, ISO 100, 60s)

Solche Effekte bringen viel Ruhe in das Bild, man kann aber natürlich auch bewusst eine sehr kurze Verschlusszeit einstellen um das harte Aufprallen der Wellen an einer Felsklippe einzufrieren und so die Wildheit des Wassers zu unterstreichen.

 

Aufgabe: Stelle deine Kamera auf Verschlussautomatik (Verschlusszeit wird von dir eingestellt, Blende und ISO-Wert legt die Kamera automatisch fest) und fotografiere unterschiedlich schnelle Motive (Bücherregal, Menschenmenge, Autos, Vögel, Flugzeug, …). Vergleiche die Fotos auf deinem Computer. Bei welchen Verschlusszeiten kannst du die Bewegung einfrieren? Ab wann verwischt die Bewegung?

Fotografiere ein unbewegtes Motiv und stelle eine immer längere Verschlusszeit ein. Ab wann kannst du erkennen, dass das Bild unscharf wird, weil du die Kamera während der Belichtungszeit zu stark bewegst. Probiere das mit verschiedenen Brennweiten.


14 Gedanken zu “Die Verschlusszeit

  1. Eine kurze Frage sei gestattet. 😊
    Das letzte Foto in dem Bericht ist wunderschön, nun meine Frage, zu welcher Tageszeit ist es entstanden. Ich selbst habe einmal etwas ähnliches fotografiert und hatte nur eine weiße Fläche auf dem Bild.
    lieben Gruß
    Ewald Sindt

    Gefällt mir

    1. Ja, da hast du das Foto wohl überbelichtet. 😉 Wenn man am Tag 60s lang belichtet kommt natürlich viel zu viel Licht in die Kamera und das gesamte Foto brennt aus.
      Das Foto ist glaube ich am Abend entstanden, aber für so lange Belichtungszeiten muss man so oder so einen ND-Filter oder Graufilter verwenden, den man aufs Objektiv schraubt. Dadurch kommt weniger Licht in die Kamera und man kann länger belichten ohne überzubelichten.

      Gefällt 1 Person

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