Tourenbericht Hochschwab

Zur Tour

Wenn man die Zehen kaum noch spürt, das Wasser in der Flasche langsam feste Form annimmt und sich unter der Nase kleine Eiszapfen bilden kann man zu recht sagen: Es ist kalt!

Den Hochschwab in der Steiermark kann man über mehrere Wege besteigen, ich habe mich, wegen der derzeit winterlichen Wetterlage, für den einfachsten entschieden. Von Thörl aus ist es ein gutes Stück bis zum Start der Tour, dem Gasthof Bodenbauer. Ich hatte aber sowohl beim Hin- als auch beim Rückweg das Glück gleich jemanden zu finden, der mich mitnimmt und mir so die drei Stunden Gehzeit auf der Straße erspart.

Vom Startpunkt geht es hinauf durch den verschneiten Wald bis zur Häuslalm. Diese Strecke wird noch von vielen anderen Bergsteigern und Winterenthusiasten gegangen. Ob mit Ski oder Schneeschuhen bleibt den eigenen Vorlieben überlassen. Der Flexibilität und Transportfähigkeit wegen, habe ich diesmal Schneeschuhe dabei und die braucht es auch. Der Weg ist zwar gut ausgegangen, aber ohne sinkt man bis zu den Knien in den Neuschnee, ein Vorankommen wäre also äußerst mühsam. Außerdem ist eine winterliche Schneeschuhwanderung durch den Wald ein wirklich tolles Erlebnis.

Nach der Häuslalm und der dort stehenden Hütte trifft man jedoch niemanden mehr, was auch verständlich ist, es ist kalt, windig und verschneit, da lockt es niemanden auf den Hochschwabgipfel… außer mich, offenbar.

Der Weg führt über die Hundsböden, die großteils flach über die gesamte Berggruppe führen. Der Weg ist einfach zu gehen und ermöglicht einen gemütlichen Schritt, bei dem man den Ausblick genießen kann. Jedoch ist der Weg auch sehr lang und zehrt mit vier weiteren Stunden an der Kondition.

Hinzu kam, dass es nicht nur eiskalt war, sondern auch ausgesprochen windig. Mit guter Ausrüstung und der Wärme beim Gehen lässt sich das aushalten, sobald man aber stehen bleibt, spürt man schnell die Kälte und sämtliche nasse Kleidung beginnt zu gefrieren. Außerdem war durch den starken Wind ein Großteil des Schnees weggeweht, sodass es weiter oben hauptsächlich weite Eisfelder und verharschten Schnee gab – insgesamt eine richtige Gletscherstimmung.

Nach langem Gehen und gegen den Wind stemmen kommt man schließlich zum Fleischerbiwak, das ungefähr 30min unterhalb des Hochschwabgipfels liegt. Dort habe ich auch die Nacht verbracht. Mit den Decken, die es dort gibt haben sich auch die -19 Grad in der Nacht aushalten lassen, aber am wichtigsten war es einfach dem unerbittlichen Wind zu entkommen.

Am nächsten Tag ging es dann auf den Gipfel in 2277m Höhe zum Sonnenaufgang, der sich als sehr spektakulär erwies und im Anschluss wieder zurück ins Tal.

31987493685_1d52151cb6_o.jpg
Vereistes Gipfelkreuz bei Sonnenaufgang (Nikon D5500, F8.0, ISO 100, 10s)

Bedauerlicherweise habe ich meine Sonnencreme vergessen, was mit einem tollen Sonnenbrandmuster im Gesicht belohnt wurde. Außerdem sollte man bei diesen Temperaturen sein Trinkwasser nur in Thermosflaschen transportieren, da man sonst mit einem Eiswürfel in der Flasche aufwacht (so wie ich).

 

Eine Bild braucht ein Motiv!

Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht! Es ist 22 Uhr, nicht spät, aber ich liege schon seit 2 Stunden im warmen Schlafsack und döse vor mich hin. Draußen höre ich den Wind zwischen den Felsen pfeifen und fühle beinahe schon die Kälte, die auf mich wartet. Aber es hilft nichts, ich bin nun mal hier und die Milchstraße ist gerade da wo ich sie haben will. Es heißt also aufstehen und fotografieren. Schnell öffne ich den Schlafsack und suche Hose und Jacke, beide eiskalt. Der Schweiß in meinen Schuhen ist bereits gefroren, was ebenfalls zur allgemeinen Kältestimmung beiträgt. Mit zitternden Händen suche ich im Rucksack nach Kamera und Stativ. Tür auf, raus in die Kälte!

Oft ist es in den Bergen schwierig gute Fotos zu machen. Man ist überwältigt von der Schönheit um einen herum und versucht alles mit der Kamera festzuhalten. Daheim ist man dann enttäuscht, weil die Fotos nicht das wiedergeben, was man erlebt hat. Vielen Landschaftsfotos fehlt dabei einfach das Motiv. Eine Stelle an der das Auge hängen bleiben und sich orientieren kann. Das dem Betrachter eine Leitung vorgibt, damit es als interessant empfunden werden kann.

Ich mache nur sehr wenige Fotos wo ich die Kamera einfach in die Landschaft halte und das fotografiere was ich gerade toll finde. Meistens sind das nur ein paar Fotos mit dem Handy um sie Freunden zu schicken. Die meisten Fotos, die ich mache, und fast alle, die ich im Internet veröffentliche, sind mehr oder weniger geplant. Ihnen liegt nicht der Gedanke „Hier ist es schön, ich mach ein Foto!“ zu Grunde sondern eine Reihe von Überlegungen. Was möchte ich fotografieren? Was möchte ich vermitteln? Worauf möchte ich den Blick des Betrachters lenken? Wie kann ich das Motiv gut zur Geltung bringen? Wann wird die Sonne wo sein? usw.

Oft helfen ein paar einfach Gedanken zum Foto schon ungemein die Bildwirkung zu verbessern. Natürlich gelingt das nicht immer, auch mir nicht. Bei dieser Tour konnte ich zum Beispiel nur ein Foto mit nach Hause nehmen, das mir wirklich gefallen hat. Das habe ich dafür eine Stunde auf dem Gipfel bei Wind und Kälte geplant und das war wichtig, sonst hätte es wohl auch zum Ausschuss gezählt. Im Prinzip ist es immer ungünstig von einem Gipfel zu fotografieren, denn es ist schwer ein Motiv wirklich in Szene zu setzen. Die Ausnahme ist natürlich, wenn man die Weite der Landschaft zeigen möchte, allerdings läuft man hier auch schnell Gefahr vor lauter Bergen die Landschaft nicht zu sehen (oder so). Denn auch hier braucht es ein Motiv, das klar macht um was es in dem Foto geht, wo man hinschauen soll und wie man durchs Bild geführt wird.

dsc_0215-bearbeitet
Sonnenaufgang über der Hochschwabgruppe (Nikon D5500, F11.0, ISO100, 1/5s)

Dieses Aussichtsfoto wird durch den Sonnenaufgang und den markanten Gebirgszug rechts im Bild gerettet. Der farblich auffällige Berg zieht sofort den Blick auf sich und gibt dem Betrachter einen Anhaltspunkt. Dabei wird auch noch großzügig die umliegende Landschaft gezeigt. Es ist ein typisches Gipfelfoto, jedoch wird durch die Betonung eines einzelnen Berges durch die Lichtsetzung klar, was hier im Fokus steht und dadurch Ordnung in das Bild gebracht. Hier war es ein schmaler Grad zwischen einem normalen und einem guten Foto, den die Überlegungen zu Standort, Kamerapositionierung und Lichteinfall kippen konnten.

Bei dem angesprochenen Milchstraßenfoto ist mir das beispielsweise nicht gelungen und deshalb hat es dieses auch nicht in den Beitrag geschafft. Sowohl die Milchstraße, als auch eine Berglandschaft bei Nacht sind schöne Dinge, reichen aber noch nicht für ein gutes Foto, denn es braucht ein Motiv, das den Betrachter durch das Bild führt.

 

Einige Überlegungen zu Motivwahl, Standort und insbesondere dem Licht können deine Fotos ganz massiv beeinflussen und dir helfen öfters Fotos zu machen, mit denen du hinterher auch zufrieden bist. Denn der Unterschied zwischen einem Fotografen und einem Kamerabesitzer liegt darin, bewusst und nicht zufällig, gute Fotos zu machen.


7 Gedanken zu “Tourenbericht Hochschwab

  1. Ich bin immer wieder beeindruckt, welche Mühe Sie sich geben und welche Strapazen Sie ertragen! Allerdings sind Ihre Fotos auch wirklich schön und sehenswert.
    Danke dafür und einen guten Rutsch und ein erfolgreiches Fotojahr 2017! 😊😊😊
    Ewald Sindt

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s