Tourenbericht: Rottenmanner Tauern und kleiner Pyhrgas

Zur Tour

Normalerweise ist das mein Lieblingsmoment, wenn ich auf Tour gehe. Man steigt in den Zug, der einen nach dem erfolgreichen Abenteuer wieder nach Hause bringt. Man ist noch ganz von Adrenalin und Endorphinen durchströmt, die sich in den letzten Stunden angesammelt haben und freut sich die geschossenen Bilder daheim am Computer genauer betrachten zu können. Man kann sich zurücklehnen, von den Anstrengungen erholen und ist rundum glücklich mit der Welt. Doch dieses Mal bleibt das Gefühl aus und ich sitze nur griesgrämig  auf meinem Sitz und schaue zwei Passagiere, die sich ein paar Plätze weiter unterhalten finster an.

In der letzten Woche habe ich gleich zwei Touren unternommen, oder besser gesagt, ich hatte sie geplant, denn beide verliefen keineswegs so, wie ich mir das gewünscht hätte.

Meine erste Tour sollte mich nach Hohentauern führen, von wo aus man über die Edelrautehütte und den großen Bösenstein die eindrucksvollen Rottenmanner Tauern überschreiten kann. Laut Internetberichten und Fotos eine wahrlich spektakuläre Tour mit vielen attraktiven Fotomotiven. Ich packte also wie gehabt meine Sachen und setze mich in den Zug.

Bis zur Edelrautehütte und einem köstlichen Schnitzel als Wegzehrung verlief auch alles nach Plan und auch der Weg zum anliegenden Scheibelsee war schnell gefunden. Jedoch haben sich ab da an die Markierungen für den Weg aufgrund der Schneelage verlaufen und ich scheine auch der einzige zu sein, der eine solche Tour im Winter bestreiten will. Demnach gab es auch keine Spuren, denen ich folgen konnte. Im Endeffekt habe ich dann satte vier Stunden nach dem Weg gesucht, bin auf jede Erhebung geklettert und habe jeden Ansatz probiert in der Hoffnung doch noch den Aufstieg auf den Bösenstein zu finden.

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Erstes Licht auf der Bergspitze (Nikon D5500, F8.0, ISO200, 1/320s)

Normalerweise ziehe ich ohne zusätzliches Kartenmaterial los, selbst in mir unbekannte Gebiete, denn bisher habe ich mich immer auf die guten österreichischen Markierungen, beziehungsweise auf die Spuren meiner Mitwanderer verlassen können, diesmal hat mir das aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei Einbruch der Dunkelheit habe ich mich dann schließlich geschlagen gegeben und mich auf den Rückweg zur Zugstation gemacht, wobei ich Glück hatte von Hohentauern nach Trieben autostoppen zu können, denn sonst hätte ich auch noch den letzten Zug verpasst.

Meine zweite Tour bin ich gleich einen Tag später angegangen um den Fehlschlag des Vortages auszubessern. Ich entschied mich für den kleinen Pyhrgas, der durch einen Gebirgsgrat mit seinem großen Bruder dem großen Pyhrgas verbunden ist, den ich ja schon bestiegen hatte.

Ich war hinter einem ganz bestimmten Foto her, das ich im Internet gefunden hatte, denn vom Gipfel des kleinen Pyhrgas hat man einen fantastischen Blick auf den großen Pyhrgas, wie hier zu sehen ist. Dieses Foto wollte ich auch machen und das war schon Grund genug mich für diese Tour zu entscheiden.

Ganz ähnlich kann man auch hier direkt von der Zugstation seinen Weg beginnen und durch das steile Oberweng gelangt man zum Beginn des Aufstiegs. Auch hier war das erste Stück kein Problem, das über einen breiten Weg bis hinauf zur Gowilalmhütte führt. Natürlich durfte wieder ein stärkendes Mittagessen nicht fehlen, das übrigens wirklich preiswert ist.

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Abendstunde über dem großen Pyhrgas (Nikon D5500, F8.0, ISO100, 1/10s)

Danach ging es weiter, wieder führt keine einzige Spur in Richtung Gipfel, mich überkam langsam eine schlechte Vorahnung. Die Markierungen sind jedoch diesmal besser zu verfolgen, außerdem habe ich aus meinem Fehler gelernt und zur Sicherheit eine Karte auf mein Handy geladen.

Wer meinen Bericht zum großen Pyhrgas gelesen hat, weiß vielleicht noch, dass ich den Aufstieg als sehr steil beschrieben habe. Nun, der Aufstieg auf den kleinen Pyhrgas ist noch mal ein Stück steiler. Das wäre ja eigentlich kein unüberwindbares Problem, wäre nicht Winter und würde nicht viel Schnee liegen.

Ich habe mich Meter für Meter den Hang hinaufgekämpft, doch trotz Schneeschuhen und Steigeisen war ab einem gewissen Punkt kein Weiterkommen. Der Weg war einfach zu steil und es ist mir mehr als einmal passiert, dass ich bei einem falschen Schritt entweder im Schnee versunken bin oder aber weggerutscht und mehrere Meter den Hang hinunter geschlittert bin. Auf ca. 1800Hm habe ich mir schließlich eingestehen müssen, dass es für mich nicht mehr weiter geht. Bitter, 200Hm vor dem Ziel und dem ersehnten Foto.

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Übernachtung im eine Million Sterne Hotel mit Ausblick auf die Berge (Nikon D5500, F4.0, ISO100, 241s)

Jedoch habe ich dann aber allen Umständen zum Trotz noch auf der Gowilalm im Schlafsack übernachtet, denn den Spaß wollte ich mir nicht nehmen lassen. In der Nacht hat es dann noch ordentlich geschneit und ich konnte meinen Schlafsack gleich auf seine Wetterfestheit überprüfen (er ist übrigens wetterfest). 😉

Zwei Touren also, die ich aus verschiedenen Gründen abbrechen musste. Solche Dinge motivieren natürlich nicht gerade, aber es ist besser umzukehren und es ein anderes Mal erneut zu versuchen, als sich in unnötige Gefahren zu begeben. Ich habe meine Lektion daraus gelernt und freue mich aufs nächste Mal.

Von nichts kommt manchmal doch etwas

Fotografisch konnte ich leider beide Male nicht viel mitnehmen, zum einen aufgrund des eher schlechten Wetters, zum anderen weil ich nicht dort hingekommen bin, wo ich eigentlich hinwollte. Jedoch hat dies für mich auch eine neue Tür geöffnet und zwar Schwarzweiß!

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Ferne Bergkette zum Tagesende (Nikon D5500, F8.0, ISO100, 1/8s)

Normalerweise gefallen mir farbige Landschaftsfotos pauschal immer besser, jedoch ist der springende Punkt hier (wer hätte es gedacht?) die Farbe. Wenn sowieso alles Grau in Grau ist, wieso nicht gleich ein schwarzweiß Foto draus machen? Und ich muss sagen, dass ich mit den Ergebnissen zufriedener bin als angenommen.

Wichtig ist jedoch, dass man bei der Nachbearbeitung ein wenig Zeit investiert. Ein Foto einfach nur in Schwarzweiß zu konvertieren reicht nicht, denn dann ist der Großteil des Bildes eher in einem Mittelgrau was (zumindest auf mich) eintönig und langweilig wirkt. Durch das gezielte Verstärken der Schatten und Lichter kann man aber sehr viel Spannung in das Foto bringen und stark mit der Helligkeit der einzelnen Elemente spielen. So kann man die Bildwirkung ganz bewusst verstärken und zwar besser als bei einem Farbfoto, weil man nicht auf unechte Farben und Tonwerte Rücksicht nehmen muss.

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Auf aussichtsreichen Irrwegen in den Bergen (Nikon D5500, F16.0, ISO100, 1/100s)

Für mich ist das auf jeden Fall eine Alternative für die Zukunft, falls mal wieder schlechtes Wetter sein sollte. 😉


7 Gedanken zu “Tourenbericht: Rottenmanner Tauern und kleiner Pyhrgas

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