Tourenbericht: Temlberg und großer Priel

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Wenn ich jemandem erzähle, egal ob Bekannten oder neuen Leuten, dass ich hobbymäßig bei Minusgraden im Schlafsack am Berg übernachte sind die Reaktionen immer gleich: Du bist verrückt!
Gerade liege ich im Schlafsack, es hat Minusgrade und ich bin mitten im toten Gebirge auf 2000m Höhe. Um mich herum herrscht vollkommene Stille. Hier gibt es keinen Verkehr, keine Nachbarn, nichts was die Ruhe stören könnte. Über mir funkeln die Sterne am Nachthimmel und ich kann der Milchstraße dabei zusehen wie sie langsam über die Berggipfel wandert. Meine Reaktion ist auch immer gleich: Jeder der das nicht erleben will ist verrückt!

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Milchstraße über der Spitzmauer

Wer mich schon etwas verfolgt, weiß, dass ich im Herbst schon auf dem großen Priel war. Das tote Gebirge hat mich damals sehr beeindruckt und es stand schon lange auf meiner to-do Liste wieder in der Gegend zu wandern, vorzugsweise noch im Winter, wenn es noch Schnee hat.

Diesmal wollte ich jedoch nicht (nur) auf den großen Priel, sondern mein eigentliches Ziel war der Temlberg. Man folgt beim Aufstieg bis zum Prielschutzhaus dem selben Weg. Danach geht es links direkt auf die eindrucksvolle Schneise zwischen Spitzmauer und Brotfall zu. Man durchquert die Kinserschlucht und fühlt sich neben den großen Bergen, die links und rechts neben einem aufragen ganz klein.
Der Frühling ist auch unweigerlich in den Bergen angekommen, der Schnee ist schwer und nass, was ein Vorwärtskommen zur Kraftprobe werden lässt und mehr als einmal gibt der Untergrund nach und ich rutsche ab. Außerdem sollte man immer ein Auge auf die Hänge haben, denn hie und da gibt es Spuren von kleinen Lawinen.

Sobald man sich durch die Schlucht gekämpft hat gelangt man auf den Temlsattel und befindet sich mitten im toten Gebirge. Da mein Zug leider Verspätung hatte, bin ich wesentlich später losgekommen als geplant und die Sonne ging bereits unter. Deshalb habe ich mich entschlossen mein Nachtlager am Fuß des Temlbergs aufzuschlagen und ihn ein anderes mal zu besteigen, denn für den Morgen war bereits etwas anderes geplant.

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Die Spitzmauer am Morgen

Nach einer kurzen, aber angenehm milden Nacht läutet mein Wecker um 3 Uhr morgens. Bevor ich mich wieder auf den Weg mache nutze ich die Gelegenheit endlich wieder ein paar Milchstraßenfotos zu machen, Motive gibt es hier ja genug.

Dann mache ich mich auf den Weg zum großen Priel, der nicht allzu weit entfernt ist, denn ich will unbedingt wieder die Spitzmauer bei Sonnenaufgang fotografieren. Die Orientierung fiel mir nicht leicht, weil es wirklich dunkel war und ich bis auf die drei Meter, die meine Stirnlampe erleuchtete nichts erkennen konnte. Ich habe mich voll und ganz auf meine Karten-App verlassen, die mich zuverlässig durch die Felslandschaft geführt hat. Zum Glück war der Schnee über Nacht wieder gefroren, was das Gehen sehr erleichtert hat.

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Sonnenaufgang am großen Priel

Nach dem Sonnenaufgang bin ich wieder über den Umweg zum Temlberg abgestiegen. Der Normalweg zum Priel, der gegen Ende noch eine kurze Kletterpartie beinhaltet, wäre für mich nämlich nicht risikofrei begehbar gewesen.

Sonnenaufgang über den Wolken

Das tote Gebirge hat es mir landschaftlich wirklich angetan. Man hat einen fabelhaften Ausblick und die Weite der Geröllwüste ist sehr beeindruckend. Außerdem hatte ich das Glück, dass am Morgen dichter Nebel im Tal lag, der der Landschaft einen stark surrealen Charakter gegeben hat.

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Nebelmeer am Morgen

Was ich aus dieser Tour gelernt habe ist, dass es sehr wichtig ist rechtzeitig für den Sonnenaufgang da zu sein. Rechtzeitig meint hierbei mindestens eine Stunde vor Sonnenaufgang. Denn bereits bevor die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont kriechen verfärbt sich der Himmel auf ganz spektakuläre Weise. Teilweise hat das Licht in sehr kurzen Abständen gewechselt und so haben sich für mich immer wieder neue Möglichkeiten für Fotos aufgetan (weshalb ich auch mit überdurchschnittlich vielen „guten“ Fotos nach Hause gegangen bin).

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Ein Morgen im Märchenland

Ganz besonders kritisch war der eigentliche Sonnenaufgang, denn es war (wieder mal) im Osten sehr bewölkt. Ob die Sonne also tatsächlich auch zu sehen sein wird, war bis zu Letzt ein reines Glücksspiel. Nun, ich hatte Glück und für ein paar Sekunden hat die Sonne die Spitzmauer in ihr flammendes Licht getaucht. Wohlgemerkt waren es ein paar Sekunden (!) danach ist sie wieder hinter den Wolken verschwunden (im Video ist das gut zu sehen). Wäre ich nicht schon vorher dort gewesen und hätte die Kamera aufgestellt, würde es das folgende Foto so nicht geben. Denn auch in der Landschaftsfotografie geht es um Timing, deshalb sollte man sich vorab so gut wie möglich vorbereiten um im entscheidenden Moment bereit zu sein. Denn nur weil ich bereits seit 10 Minuten auf den Sonnenaufgang gewartet habe, alles fertig eingestellt und aufgebaut hatte, konnte ich in den entscheidenden 10 Sekunden den Auslöser drücken.

Das Foto von der Spitzmauer ist dem, das ich im Herbst gemacht habe, vom Aufbau sehr ähnlich unterscheidet sich aber in vielen kleinen Details, vor allem in den Farbkontrasten. Für mich wird aus diesem „Vergleich“ vor allem sichtbar, was ich in dieser Zeit fotografisch dazugelernt habe und ich bin mit diesem Ergebnis fast noch ein Stück zufriedener.

Erste Sonnenstrahlen auf der Spitzmauer Winteredition (web).jpg
Erste Sonnenstrahlen auf der Spitzauer, Winteredition

6 Gedanken zu “Tourenbericht: Temlberg und großer Priel

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