Tourenbericht: Kleiner Priel

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Ich ringe nach Atem, mir ist heiß und kalt zugleich. Mittlerweile ist es so warm, dass ich richtig ins Schwitzen komme, dazu weht ein eisiger Wind der mich frieren lässt.
Laut Wetterbericht soll es am Nachmittag aufklaren. Mit einem missmutigen Schnauben schaue ich Richtung Himmel, der von einer dicken Wolkenschicht bedeckt ist. Mühsam kämpfe ich mich eine besonders steile Anhöhe empor. Oben angekommen, ist aller Unmut vergessen, denn ich stehe mitten in den Wolken.

Märchenwald (web)
Auf Abwegen

Nachdem ich mittlerweile ein großer Fan des toten Gebirges und des großen Priels bin, wurde es Zeit, dass ich mir dessen kleinen Bruder, den kleinen Priel anschaue. Und nachdem ich vergangenes Wochende noch mit einer Erkältung zu kämpfen hatte, war dies die beste Gelegenheit den „kleinen“, 2136m hohen, Berg zu besteigen.

Nebeltal (web)
Morgennebel im Tal

Die Tour beginnt, ebenso wie die auf den großen Priel, in Hinterstoder, jedoch weiter vorne im Ort. Der Weg führt angenehm flach zuerst über die Straße und anschließend über eine Forststraße in vielen Serpentinen bergauf. Wenig später geht die Forststraße in einen Waldweg über der mit zunehmender Höhe immer steiler wird.
Erreicht man erst mal den Grat, der zum kleinen Priel führt hat man eine atemberaubende Aussicht auf das tote Gebirge und die Gipfel Spitzmauer, großer Priel und Brotfall.

Die letzten 200 Höhenmeter bestehen aus einer mittelschweren Kletterpartie. Mit schwerem Rucksack und Schneelage kein leichtes Unterfangen, bei dem Vorsicht geboten ist, denn einen Fehltritt darf man sich hier nicht erlauben.

Sonnenuntergang im toten Gebirge (web)
Sonnenuntergang über dem toten Gebirge

Übernachtet habe ich dann aber nicht auf dem Gipfel, sondern ein gutes Stück weiter unten, wo es windstiller war. Im Winter hat man den großen Vorteil, dass man sich sehr schnell und einfach mit Schnee Windmauern bauen kann, damit der wohlverdienten Nachtruhe nichts mehr im Wege steht.

Wolkenpalast (web)
Wolkenpalast

Vordergrund, Hintergrund und das dazwischen

Diese Tour war Foto-technisch wieder sehr ereignisreich. Ich habe bereits einen Artikel darüber geschrieben, wann die beste Zeit ist um Landschaften zu fotografieren. Trotzdem sind die meisten Fotos dieser Tour erst einige Stunden nach Sonnenaufgang entstanden. Das liegt daran, dass in der Früh im Tal dichter Nebel gehangen ist, der in Kombination mit der hochstehenden Sonne für zahlreiche Fotomöglichkeiten sorgt.

Godrays (web).jpg
Nebelstrahlen im Wald

Das faszinierende am Nebel ist nicht nur, dass es zu ganz einzigartigen Lichtspielen kommt, sondern auch, dass durch den Nebel die Landschaft einen sehr surrealen Charakter erhält. Mit etwas Glück verdeckt der Nebel auch die richtigen Stellen in einem Foto und kann so helfen die einzelnen Bildeben zu betonen und dem Foto mehr Tiefe zu verleihen.

Morgennebel (web).jpg
Wald im Morgennebel

Generell kann man ein Foto in drei Bereiche gliedern: Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Die Namen sind hier selbsterklärend und bezeichnen die Bildbereiche, die nahe, mittel und weit entfernt vom Betrachter liegen.
Viele gute Fotos haben gemein, dass sie sich über alle drei Bildbereiche erstrecken, dass es also eine Vordergrundebene, eine Mittelgrundebene und eine Hintergrundebene gibt (und in jeder Ebene was zu sehen ist!). Das sorgt nicht nur für eine gute Blickführung und Komposition, sondern verleiht dem zweidimensionalen Foto auch Plastizität und Tiefe.

Nebeltal bw (web).jpg
Nebel im Tal

Dieses Foto erstreckt sich über alle drei Bereiche. Die dunklen Bäume bilden den Vordergrund und geben dem Foto einen gewissen Rahmen. Die Hänge links und rechts sind in der mittleren Bildebene und die Berge im Hintergrund. Dadurch entsteht der Eindruck einer weiten Landschaft und dem Foto wird eine gewisse Tiefenwirkung gegeben. Die Nebelschwaden, die durch das Tal ziehen verstärken diesen Effekt, da sie zum einen Vordergrund und Mittelgrund klar voneinander trennen, aber auch die Blickführung von vorne bis hinten begünstigen.

Sonnenaufgang im toten Gebirge (web)
Sonnenaufgang: Spitzmauer und Brotfall

Bei diesem Foto spielt sich alles wesentlich in einer einzigen Bildebene ab. Die beiden Bergspitzen sind ungefähr gleich auf und es gibt weder einen markanten Vordergrund noch einen interessanten Hintergrund. Das Bild ist deshalb nicht zwangsweise schlechter, wirkt aber um einiges flacher und weniger lebendig.

Klarerweise ist es nicht immer möglich (oder gewünscht) Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund eines Fotos zu füllen und manchmal ist es besser kein Vordergrundelement zu haben, bevor man das nächstbeste Grasbüschel noch mit ins Foto nimmt. Aber allgemein wird ein Foto interessanter und bekommt mehr Tiefe, wenn alle Bildebenen genutzt werden und man sich nicht nur auf eine beschränkt.


20 Gedanken zu “Tourenbericht: Kleiner Priel

  1. Imposanter Bericht, Bilder und auch Video. Ich mag so Zeitraffer von Wolken.
    Frage: Allein unterwegs? Irgendjemand musste die Kamera ja bestimmt auch wieder holen?. Oder 100 Meter wieder zurückgelaufen ?^^

    Gefällt 1 Person

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