Die Blende

Dieser Beitrag besteht aus drei Teilen und soll dir dabei helfen deine Kamera manuell bedienen zu können und generell mehr über die Funktionsweise und Wirkung der einzelnen Faktoren zu erfahren. Den Artikel über die Verschlusszeit findest du hier und den Artikel über den ISO-Wert hier (folgt).

Funktionsweise

Die Blende ist ein mechanisches Bauteil, das in jedem Objektiv verbaut ist. Dabei handelt es sich um eine runde Öffnung, deren Größe mittels mehrerer Lamellen verändert werden kann.

Nimm dir mal eines deiner Objektive und schau durch! Mit dem kleinen Stift am Bajonettanschluss kannst du die Blende manuell verstellen.

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Dabei ist klar, je größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht kommt in die Kamera und desto heller wird auch das Foto. Dabei muss man wissen, dass die Blendenöffnung rund, also annähernd eine Kreisfläche ist. Wer in der Schule gut aufgepasst hat, weiß, dass der Flächeninhalt des Kreises quadratisch mit dem Radius geht. Das heißt verkleinert man die Blendenzahl auf die Hälfte, verringert sich das einfallende Licht auf ein Viertel! Und genauso ungekehrt, wenn man die Blendenzahl verdoppelt, kann vier mal so viel Licht in die Kamera kommen. Das steht im Gegensatz zu Verschlusszeit und ISO Wert, die beide linear gehen. Die gewählte Blendengröße beeinflusst die Helligkeit des Fotos also ganz massiv.

Die zweite und womöglich wichtigere Funktion der Blende ist die Schärfentiefe, aber dazu gleich mehr.

Grundlagen

Wie oben beschrieben ist die Blende abhängig vom Objektiv, nicht von der Kamera. Der Blendenwert wird meistens mit einem „f“ oder „F“ am Objektiv oder in der entsprechenden Kameraeinstellung angegeben. Dieser Wert beschreibt das Verhältnis von Brennweite zu Blendendurchmesser (deshalb sind lichtstarke Objektive mit großer Offenblende normalerweise groß und schwer).

Wichtig dabei ist: Je kleiner die Zahl, desto größer die Blendenöffnung und je größer die Zahl, desto kleiner die Blendenöffnung. Dabei handelt es sich nämlich um Brüche von 1.

Eine Blendenzahl von F1.8 steht damit für eine weit geöffnete Blende und eine Blendenzahl von F13.0 für eine eher geschlossene.

Die größtmögliche Blendenöffnung, auch Offenblende genannt, ist meistens am Objektiv angegeben und ist oft auch ein Inikator für ein gutes (und meist teures) Objektiv, denn die Möglichkeit auf eine größere Blende bedeutet mehr Licht und weniger Schärfentiefe und das ist pauschal gesagt immer besser, denn abblenden kann man immer.

Bei Zoomobjektiven, wie dem Nikon 18-105mm, findet man häufig Angaben wie F3.5-F5.6. Das bedeutet, dass sich die Offenblende mit der Zoomstufe ändert. Bei 18mm kann man mit einer Offenblende von F3.5 arbeiten, bei 105mm nurnoch mit F5.6. und bei einer anderen Brennweite hat man einen Zwischenwert.

Schärfentiefe und Bildschärfe

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Neben dem Einfluss auf die Belichtung, verwendet man die Blende vor allem für eines: Um die Schärfentiefe zu beeinflussen.

Die Schärfentiefe ist der Bereich in einem Foto, der scharf dargestellt wird oder „im Fokus“ liegt. Man fokussiert manuell oder automatisch auf einen bestimmten Punkt, den Fokuspunkt. Dieser ist der schärfste Bereich im Foto.

Abhängig von der Blende (und der Brennweite und der Entfernung zum Motiv) sind dann alle Objekte vor und hinter diesem Punkt ebenfalls scharf. Diesen Bereich bezeichnet man als Schärfentiefe (oder manchmal auch Tiefenschärfe). Alles was außerhalb liegt wird zunehmend unscharf.

Der Bereich der Schärfentiefe, kann wenige Millimeter bis viele Meter groß sein.

Je mehr die Blende geöffnet ist (kleine Blendenzahl), desto geringer ist die Schärfentiefe und je mehr die Blende geschlossen ist (große Blendenzahl), desto größer ist die Schärfentiefe.

Bei Portraits ist es meistens erwünscht das Model freizustellen (also das Model scharf vor einem unscharfen Hintergrund darzustellen), hier arbeitet man also im Regelfall mit einer offenen Blende. In der Lanschaftsfotografie will man meist alles im Fokus haben und verwendet deshalb eine eher geschlossene Blende. Bestimmt hast du schon mal von der obligatorischen Blende 8 gehört.

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Aber wieso blendet man dann trotzdem manchmal ab oder wieso verwendet man nicht einfach immer die größte Blendenzahl um die größte Schärfentiefe zu bekommen? Ganz einfach, denn hier machen uns die baulichen Grenzen des Objektivs beziehungsweise die Physik einen Strich durch die Rechnung.

Die beste Bildschärfe (über den gesamten Bildbereich) hat ein Objektiv nämlich wenn man die Blende etwas schließt. Das hängt vom jeweiligen Objektiv ab, ist aber meistens im Bereich von Blende 5.6 – 8.0 Bei offener Blende sind alle Objektive weniger scharf, insbesondere in den Ecken des Fotos macht sich das bemerkbar. Sehr gute Objektive sind zwar bereits bei offener Blende sehr scharf, gewinnen aber auch noch mal an Schärfe, wenn man die Blende schließt.

Der Grund wieso man die Blende, wenn möglich, wiederum nicht zu weit schließen soll ist die Lichtbeugung. Wenn die Blende, also das kleine Loch im Objektiv zu klein wird, wird das Licht an den Kanten der Blende gebeugt und das resultierende Foto verliert zunehmend an Schärfe. Möchte man also viel Schärfentiefe, empfiehlt es sich die Blende nicht auf die größte Zahl zu stellen, sondern in einem Bereich von ca. F8.0 – F13.0 zu bleiben. Das reicht von der Schärfentiefe her aus und man erhält auch die beste Bildschärfe.

Aufgabe: Stelle deine Kamera auf Blendenautomatik (die Blende kannst du einstellen, Verschlusszeit und ISO-Wert bestimmt die Kamera dann automatisch) und fotografiere ein Motiv mit unterschiedlicher Blendeneinstellung.

Wann ist der Hintergrund scharf? Wann verschwommen? Ändert sich etwas wenn du näher an das Motiv gehst beziehungsweise weiter weg? Nimm dir eine andere Brennweite und versuche es nochmal!


5 Gedanken zu “Die Blende

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