Review: Sigma 24-105mm F4.0 Art

Ein Standard-Zoom für Vollformat im Test: Das Sigma 24-105mm F4.0 aus der Art-Serie, getestet an der Nikon D810, wie immer mit meiner Präferenz: Landschaftsfotografie. Alle Fotos im Beitrag sind natürlich mit dem Sigma entstanden.

Verarbeitung

Typisch für die Art-Serie von Sigma ist das Objektiv hervorragend verarbeitet. Die Materialien sind hochwertig, alles fühlt sich solide an und es macht richtig Spaß mit dem Objektiv zu arbeiten.

Das viele Metall und Glas hat jedoch auch einen Nachteil, denn im Vergleich zu ähnlichen Objektiven ist das Sigma eher groß und schwer und ist mit seinen 885g im Rucksack gut spürbar.

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Das Sigma 24-105mm F4.0 aus der Art-Serie

Der Zoomring und der Fokusring lassen sich ebenfalls flüssig drehen und haben einen angenehm festen Widerstand. Ein versehentliches Ausfahren des Objektivs bleibt dadurch ausgeschlossen. Der Fokusring hat sowohl im Makro- als auch im Unendlich-Bereich einen deutlich spürbaren Anschlag, dürfte aber für meinen Geschmack etwas breiter sein. Mit Handschuhen ist es mir schon ein paar mal passiert, dass ich aus Versehen auch den Zoomring mitgedreht habe.

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Franzensburg (Sigma bei 32mm und F8.0)

Ein Umstand, der vermutlich nur die wenigsten stört: das Objektiv hat keinen Staub- und Spritzwasserschutz bekommen. Als Landschaftsfotograf komm ich oft in Situationen wo es regnet, schneit oder neblig ist und da ist es wichtig sich keine Gedanken über seine Ausrüstung machen zu müssen. Wieso Sigma den Staub- und Spritzwasserschutz hier ausgespart hat erschließt sich mir nicht ganz, will man doch ein Objektiv für alle Gelegenheiten verkaufen.
Da das gesagt ist, muss ich natürlich auch hinzufügen, dass ich das Objektiv trotzdem schon bei Regen und Schnee im Einsatz hatte und es auch schon gut nass geworden ist. Geschadet hat das dem Objektiv soweit ich erkennen kann nicht. Trotzdem hat man das leider immer im Hinterkopf.

Bildschärfe und Verzeichnung

Wer sich ein Objektiv mit diesem Brennweitenbereich kauft, muss sich im Klaren sein, dass man Kompromisse eingeht. Mit 24-105mm deckt man einen guten Brennweitenbereich ab, der sich vielfältig einsetzen lässt, jedoch kann man nicht die selbe Leistung wie von einer Festbrennweite erwarten. Man geht einen Kompromiss ein, mit dem Sigma aber einen vergleichsweise guten.

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Oben: Bildmitte, Unten: linker unterer Bildrand (Sigma bei 52mm und F8.0, unbearbeitetes RAW)

Die Bildschärfe im Zentrum ist bei allen Brennweiten ausgezeichnet und mit einer Festbrennweite vergleichbar, auch schon ab Blende 4.

In den Randbereichen kommt es klarerweise zu einem Schärfeabfall. Dieser macht sich vor allem im Weitwinkelbereich, bei 24mm bemerkbar. Hier sollte man auf jeden Fall auf Blende 8 arbeiten um das meiste aus dem Objektiv herauszuholen. Bei längeren Brennweiten kommen die Ränder aber schon recht nahe an die Bildmitte heran.

Bei 24mm hat man eine deutliche tonnenförmige Verzeichnung. Für mein Einsatzgebiet ist mir das noch nicht störend aufgefallen, für Architekturfotografie könnte das allerdings zum Problem werden, wenn man nicht noch nachkorrigiert.
Im Telebereich hat man dementsprechend eine leichte kissenförmige Verzeichnung, die aber nicht weiter auffällig ist.

Vignettierung, chromatische Abberation und Flare

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Auffallend starke Vignettierung in den oberen Bildrändern (Sigma bei 75mm und F8.0)

Im Brennweitenbereich um die 85mm hat das Objektiv eine wirklich stark sichtbare Vignette in den Rändern. Auch Abblenden hilft hier kaum.
Normalerweise störe ich mich überhaupt nicht an Vignettierung, da ich ohnehin fast immer einer Vignette in der Nachbearbeitung hinzufüge. Beim Sigma ist es aber wirklich sehr markant und fällt besonders bei einfärbigen Flächen (z.B. einem blauen Himmel) auf.
Natürlich kann man diesen Umstand in der Nachbearbeitung leicht beheben, störend ist es aber trotzdem.
In den kurzen Brennweiten und ab 95mm ist die Vignette jedoch verschwunden.

Chromatische Abberation kann das Objektiv dagegen wieder sehr gut korrigieren und im „normalen“ Gebrauch kommt es praktisch nicht zu Farbsäumen.

Bei Gegenlichtsituationen hält das Sigma schön den Kontrast. Natürlich kommt es zu Flares, diese halten sich aber soweit auch in Grenzen. Ansprechende Sonnensterne lassen sich damit übrigens auch hervorragend erzeugen.

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Das Sigma 24-105mm F4.0 in einer Gegenlichtsituation: Geringe Flares und starker Kontrast (Sigma bei 38mm und F22.0)

Autofokus und Bildstabilisator

Der Autofokus ist an der D810 schnell und treffsicher. Bei wenig Licht braucht der Fokus natürlich entsprechend länger.

Den Bildstabilisator verwende ich persönlich kaum, weil ich meistens auf einem Stativ arbeite. In den wenigen Situationen, in denen ich ihn verwendet habe, hat er aber durchgehend gute Dienste geleistet und das Bild merkbar stabilisiert. Je nach Einsatzgebiet ist ein Bildstabilisator bei so einem Objektiv ja unverzichtbar.

Anzumerken ist noch, dass das Objektiv einen 82mm Filterdurchmesser hat und damit ein größeres Frontelement hat, als die meisten anderen Objektive.

Sonnenaufgang in Wien (web)
Donaucity (Sigma bei 48mm und F8.0)

Fazit

Das Sigma 24-105mm F4.0 aus der Art-Serie kann sowohl durch seine haptischen, als auch optischen Eigenschaften überzeugen. Lediglich im Weitwinkelbereich bei 24mm zeigt das Objektiv einige Schwächen. Auch die starke Vignettierung bei 85mm ist ärgerlich. Ein weiterer Wehrmutsteopfen für mich ist der fehlende Staub- und Spritzwasserschutz.
Selbst habe ich es zwar nicht getestet, aber wer sich Vergleiche zwischen der Canon Variante und dem Nikon Äquivalent anschaut, wird feststellen, dass das Sigma jeweils klar überlegen ist.
Demnach kauft man mit dem Sigma das wohl beste derzeit erhältliche Standard-Zoom in diesem Brennweitenbereich und erhält ein sehr flexibles Objektiv mit einer guten Schärfe und ausgezeichneten Verarbeitung.


4 Gedanken zu “Review: Sigma 24-105mm F4.0 Art

  1. Hey,
    cooler Beitrag – die Sigma Art Serie scheint wirklich gut zu sein.
    Obwohl ich sagen muss, dass mich die Schärfe bei den Waldbildern noch nicht ganz überzeugt hat (kann aber natürlich auch an meinem Display liegen 🙂 ).
    Die anderen Bilder sehen dafür umso überwältigender aus.
    Echt ein tolles Zoom- Objektiv.
    Viele Grüße
    Johannes

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