Tourenbericht: Drei Zinnen

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Es ist kurz nach 7, die Sonne ist vor eineinhalb Stunden aufgegangen, die Sonnenaufgangsfotos sind auf der Speicherkarte. Ich sitze auf einem Bankerl mit Ausblick auf die drei Zinnen. Neben mir zischt der Gaskocher, der gerade das Wasser für meinen Kaffee warm macht. Ich gähne ausgiebig und schaue verträumt in die Landschaft. Auf meiner To-Do Liste für heute steht: Absolut gar nichts

Da meine letzten Unternehmungen ja eher gemütlicher Natur waren, kam mir das lange  Wochenende gerade recht um mich wieder richtig ins Abenteuer zu stürzen. Als Landschaftsfotograf muss man ja quasi mal in den Dolomiten gewesen sein und ein Trip nach Südtirol stand schon lange auf meiner Liste. Letztes Wochenende war es dann so weit und mein Weg führte mich zu den drei Zinnen.
Damit sich die insgesamt 14 Stunden Zugfahrt auch auszahlen, habe ich mich diesmal dazu entschieden drei Tage zu bleiben und zwei Nächte im Schlafsack zu übernachten.

Drei Zinnen bw (web)
Drei Zinnen im Profil (24mm bei F11.0 und 1/640, ISO200)

Die drei Zinnen sind öffentlich sehr gut zu erreichen, wobei es mehrere Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Ich bin über das Fischleinbodental aufgestiegen.
Der Weg ist bereits sehr touristisch angelegt, breit, an vielen Stellen sind „Stufen“ eingebaut und in regelmäßigen Abständen kommt ein Bankerl, von dem aus man die herrliche Landschaft betrachten kann. Nach zwei Stunden steht man vor der Drei-Zinnen-Hütte, die allerdings erste ab Ende Juni/Anfang Juli bewirtschaftet ist.

Nichts desto trotz war hier sehr viel los, viele Leute und für mich eine ganz ungewöhnliche Situation: viele Fotografen!
Normalerweise treffe ich bei meinen Touren gelegentlich ein paar Leute, habe aber meistens meine Ruhe und gerade am Abend habe ich noch niemanden getroffen. Aber die Kombination aus frühlingshaftem Wetter und bekanntem Fotomotiv scheint viele Fotoenthusiasten in die Berge zu locken.

Milchstraße über den drei Zinnen (web)
Milchstraße über den Drei Zinnen (24mm bei F4.0 und 20s, ISO6400)

Obwohl es einen Winterraum gibt, habe ich trotzdem beschlossen lieber im Freien zu übernachten, hier hat man zumindest seine Ruhe und kann sich den Sternenhimmel anschauen. Auch hier war ich nicht der einzige, denn in regelmäßigen Abständen hat man das Licht einer Stirnlampe durch die Dunkelheit tanzen sehen können.

Ich stehe bereits seit über einer halben Stunde hier, Kamera und Stativ vor mir. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen und langsam spüre ich die Morgenkälte doch. Es ist ruhig, niemand ist zu sehen, ich habe die Berge und die Natur für mich. Nach den vergangenen Tagen eine willkommene Abwechslung.
Ich betrachte die rauen Felsen vor mir, spüre den kalten Wind auf meinem Gesicht und schmecke die klare Luft. Hier bin ich zuhause.

Der nächste Tag war dann mein „freier“ Tag. Dadurch, dass ich Gepäck für einen 3-Tages-Trip mit hatte war mein Rucksack entsprechend schwer, was mich natürlich nicht zu großen Wanderungen motiviert hat. Einige Gepäckstücke bei der Hütte zu lassen kam für mich auch nicht in Frage, da am Vormittag ein derartiger Andrang auf die Hütte war, dass ich mir nicht sicher war ob ich meine Sachen am Abend dann wiedersehen würde.

Demnach habe ich hauptsächlich die umliegende Umgebung ausgekundschaftet, einen Abstecher zum Fuß der drei Zinnen gemacht und vor allem: viel in der Sonne gelegen und das Leben genossen. Landschaftsfotografie kann herrlich sein!

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Fellow Photographer (105mm bei F11.0 und 1/40s, ISO31)

Der nächste Morgen sollte noch mal für eine Überraschung sorgen, denn obwohl es die letzten beiden Tage strahlend schönes Wetter hatte, bin ich um 4:30 im tiefsten Nebel aufgewacht. Schlafsack, Rucksack und Kamera waren gut nass und aus meinem geplanten Sonnenaufgangsfoto ist nichts geworden. Aber mittlerweile weiß ich, dass man bei Nebel nur geduldig sein muss, denn früher oder später zieht er sich ins Tal zurück und dann kommt die Zeit zum Fotografieren.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es für mich dann wieder zurück ins Tal und wieder zurück nach Wien.

Drei Tage sind besser als zwei Tage

4:30, der Wecker läutet, Zeit aufzustehen. Ich mache die Augen auf, um mich herum ist es weiß. Die drei Zinnen, die umliegenden Berge sind verschwunden, alles was ich sehe sind die drei Meter felsiger Boden vor mir. Der Nebel ist überall, die Feuchtigkeit hat sich auf meinem Rucksack und auf meinem Schlafsack festgesetzt und meine Ausrüstung durchnässt.
In ein paar Stunden wird vom Nebel nichts mehr zu sehen sein und die Sonne wird strahlend am Himmel stehen. Ich komme nicht umhin mich immer wieder über die Natur und ihre Vielfältigkeit zu wundern.

Paternkofel im Morgenlicht (web)
Paternkofel im Morgenlicht (38mm bei F11.0 und 1/3s, ISO31)

Das war meine erste dreitägige Foto-Tour und sicher nicht meine letzte, denn drei Tage bieten einem mehr Möglichkeiten als zwei Tage.
Zum einen hat man eine „zweite Chance“, sollte ein Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang nicht so ausfallen, wie man sich das wünscht. Wäre ich zum Beispiel nur einen Tag geblieben und hätte nur den Morgennebel erlebt, wäre ich zunehmend enttäuscht gewesen, da ich kein typisches Sonnenaufgangsfoto mit nach Hause nehmen hätte können. So hatte ich aber beides, einmal einen  klassischen Sonnenaufgang und einmal eine nebelverhangene Landschaft.

Mystisches Innerfeldtal (web)
Mystisches Innerfeldtal (35mm bei F11.0 und 1/40s, ISO31)

Außerdem hat man die Möglichkeiten sich mit der Umgebung vertraut zu machen. An meinem zweiten Tag stand nichts auf meiner To-Do Liste und so konnte ich mir in aller Ruhe weitere Fotospots für den Abend und den nächsten Morgen suchen. Normalerweise kenne ich die Gegend nicht, in der ich zum Wandern und Fotografieren bin, was darin resultiert, dass man sich die erstbeste Komposition sucht, sobald es an der Zeit ist zu fotografieren. Im Nachhinein ist man dann aber meist schlauer beziehungsweise weiß man, was man hätte besser machen können. Bei einem ganzen Tag, den man in die Planung investieren kann, hat man den Vorteil sich wirklich ausgiebig und vor Ort zu überlegen, wo man wann stehen will.

Bedingt durch die Jahreszeit hat sich ein kleines fotografiesches Schmankerl ergeben, denn sowohl zum Sonnenauf- als auch zum Sonnenuntergang hatte man den schönen Effekt, dass die drei Zinnen von der auf- beziehungsweise untergehenden Sonne erleuchtet waren.

Sechs Zinnen (web)
Sechs Zinnen (24mm bei F11.0 und 1/3s, ISO31)

Was für mich auch neu und teilweise unangenehm war, war die Anzahl der Fotografen und anderen Bergsteiger. Ich habe beim Fotografieren lieber meine Ruhe und konzentriere mich auf den Moment. Teilweise war es aber so, dass man Stativ an Stativ mit anderen Fotografen gestanden ist, weil es natürlich besonders lohnende Stellen gibt, so wie der kleine Schmelzwassersee, in dem sich die drei Zinnen spiegeln. Außerdem kommt man natürlich nicht drum herum, dass man sich ab un zu uns Bild läuft, gerade bei Timelaps-Aufnahmen sehr störend.
Bekannte Fotomotive geben natürlich einiges her und sorgen für gute Fotos, haben aber auch den Nachteil, dass man bestimm nicht alleine dort ist.

Alles in allem war es aber eine wirklich fantastische Tour und ich kann es gar nicht erwarten im Sommer wieder in den Dolomiten zu fotografieren.


14 Gedanken zu “Tourenbericht: Drei Zinnen

      1. Das ist allerdings ein kolossales Bild. Ich nehme an, daß auch ein wenig HDR-Effekt den malerischen Eindruck mitbewirkt. Wahrscheinlich kommt er aber vor allem von der vordergründig so gar nicht europäischen Landschaft. Die Tafelberge erinnern mich in diesem effektvollen abendlichen Nebel eher an ein Gemälde Alfred Bierstadts, also an amerikanische Nationalparks.

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      2. Da hab ich nicht beim HDR nachhelfen müssen, das kann die D810 schon recht gut. 😉
        Freue mich sehr über deinen Kommentar, finde malerische Landschaftsaufnahmen nämlich sehr beeindruckend und bin froh, dass es mir offenbar gelungen ist. 🙂

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