Rottenmanner Tauern

Zur Tour

Ich hasse Wind. Das Gefühl, dass ständig etwas an einem zerrt und reißt finde ich unerträglich. Dazu kommt die Geräuschkulisse, der Wind bricht sich an den Felsen, an meinem Rucksack und meiner Jacke und füllt meine Ohren mit einem andauernden Dröhnen. Meine Jacke ist winddicht, da spüre ich nichts, mein Gesicht ist es nicht und deshalb ist es eiskalt. Seit sechs Stunden bin ich permanentem Wind ausgesetzt und eine ebenso windige Nacht wartet auf mich.

Im Winter hatte ich schon mal geplant die Rottenmanner Tauern zu überschreiten. Die Tour musste ich dann jedoch bereits am Anfang abbrechen, da ich aufgrund der Schneelage den Weg nicht finden konnte. Nachdem ich die Tour jetzt gegangen bin, kann ich nur heilfroh sein, im Winter wieder umgedreht zu haben, denn diese Tour hält einige Tücken bereit. Die vielen Gedenktafeln, die man während der Überschreitung sieht, mahnen jeden Wanderer dieses Unterfangen zu unterschätzen.

Mein Weg beginnt in Trieben, von wo ich mich per Anhalter nach Hohentauern fahren lasse. Von da aus erfolgt ein kurzer Aufstieg zu Edelrautehütte und die letzte Möglichkeit noch etwas Warmes zu essen. Dann beginnt das lange Auf und Ab der Rottenmanner Tauern.

Steinbock (web)
Haariger Weggefährte (105mm bei F5.6 und 1/250s, ISO200)

Erster Halt ist gleich der höchste Gipfel der Tour, der große Bösenstein mit 2448m. Oben angekommen hat man einen herrlichen Ausblick auf die Rottemanner Tauern und den langen Weg, der noch vor einem liegt.
Dann folgt der wohl schwierigste Teil, auf einem Grat wandert und klettert man langsam zum nächsten Gipfel, der Sonntagskarspitze. Hier wäre ein Weiterkommen im Winter unmöglich gewesen. Oft braucht man alle Hände und Füße um sich auf den steilen Felsen sicher bewegen zu können. Mehr als einmal geht es in kurzen Kletterabschnitten senkrecht nach oben. Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, denn es geht zumeist steil und weit in die Tiefe.
Nach dieser Anstrengung geht es wieder gemächlicher dahin über die drei Gipfel des Dreistecken. Hier habe ich dann beschlossen für einen Tag genug Schritte gemacht zu haben und mein Nachtlager an der windgeschütztesten Stelle aufgeschlagen, die ich finden konnte.

Der Wetterbericht hatte für den folgenden Tag klaren Himmel und weniger Wind versprochen. Zumindest das mit dem Wind hat gestimmt, vom Himmel war jedoch nichts zu sehen, der Hochnebel hat dann sein übriges getan.
Ein paar letzte Höhenmeter fehlen ab da an noch auf den letzten Gipfel meiner Tour, die Hochhaide. Von dort aus hat man die Möglichkeit zur Rottenmanner Hütte abzusteigen und schließlich zurück ins Tal, oder aber über einen kleinen Umweg noch einen weiteren Gipfel mitzunehmen.

Entweder oder

Meine Füße sind müde, meine Schultern schmerzen, ich spüre die Anstrengung der letzten Stunden. Ich bin mitten in den Bergen, um mich herum pfeift der Wind um die Felsen. Die Sonne ist schon nicht mehr zu sehen, nur noch das Farbenspiel in den Wolken zeugt vom Sonnenuntergang. Eigentlich müsste ich meine Kamera auspacken und fotografieren, aber ich finde nichts was mein Interesse weckt. So bleibe ich einfach sitzen, esse zu Abend und falle dann müde in den Schlafsack.

Es mag den einen oder anderen erstaunen, aber Landschaftsfotografie und Wandern lassen sich überraschend schlecht miteinander kombinieren.
Das klingt zuerst unlogisch, ist es aber nicht. Tatsächlich hat man bei diesen beiden Dingen sehr unterschiedliche Voraussetzungen. Zum Beispiel freut man sich beim Wandern über einen strahlend blauen Himmel, geht unter Tags und ist am Abend am liebsten wieder zu Hause oder auf einer Hütte und will unbedingt den höchsten Berg besteigen.
Das alles braucht man in der Landschaftsfotografie gar nicht. Für einen eindrucksvollen Sonnenuntergang hat es am besten ordentlich Wolken, aber auch Gewitter oder Nebel sind sehr interessante Motive. Unter Tags bleib die Kamera meist im Rucksack und erst in den frühen oder späten Stunden läuft das Fotografen-Herz zu Hochtouren auf. Und den höchsten Berg meidet man natürlich, denn diesen will man schließlich fotografieren, also steht man besser ein ganzes Stück weiter unten, oder auf dem nächstbesten Nachbarberg.

Rottenmanner Tauern (fr).jpg
Rottenmanner Tauern (24m bei F13.0 und 1/400s, ISO200)

Ich denke man muss sich vor einer Tour entscheiden, was man will, wandern oder fotografieren. Natürlich geht beides in gewissem Maße auch, wenn man das andere macht, aber lange nicht so gut. Diese Entscheidung beeinflusst nämlich die gesamte weitere Planung. Wo gehe ich hin? Wo schlafe ich? Wann gehe ich los?

Last Light (fr)
Letztes Licht (62mm bei F11.0, 1/100s, ISO200)

Diesmal war es definitiv eine Wanderung, bei  der ich zufällig auch fotografieren konnte. Ich plane auf jeden Fall wieder in die Rottenmanner Tauern zu gehen, doch dann mit einer anderen Intention. Während der Wanderung habe ich einige Motive entdeckt, die ich nicht so ablichten konnte, wie ich es gerne gehabt hätte, einfach aus dem Grund, dass ich zur falschen Zeit vor Ort war. Warten konnte ich auch nicht, denn mich hat ja noch ein weiter Weg erwartet. Wenn ich aber mit dem Gedanken losziehe, dass ich genau diese Stelle zum Sonnenuntergang fotografieren möchte, schaut meine Planung klarerweise komplett anders aus, als wenn ich möglichst viele Höhenmeter am einem Tag zurücklegen will.


4 Gedanken zu “Rottenmanner Tauern

  1. Du hast Recht, Beides, Wandern UND Fotografieren kann sich schwierig gestalten, denn beim Wandern hat man ein Ziel, Gipfel oder Hütte oder was auch immer. Und dabei entsteht manchmal auch ein gewisser Zeitdruck, den man beim Fotografieren absolut nicht gebrauchen kann. Beim Fotografieren braucht man eher die Zeit, um ohne Fixierung auf ein entferntes Ziel auch das Drumherum zu entdecken…
    Deine Bilder sind trotzdem wieder sehr sehenswert.

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